Cash. hat sich bei der xpecto talonec GmbH erkundigt, welche Vorteile und Möglichkeiten die Digitalisierung für Berater, Asset Manager und Anleger bringt.

  • Erschienen in: CASH.EXTRA ALTERNATIVE INVESTMENT FUNDS

  • Erschienen am: Juli 2018

  • Herausgeber: Cash.

  • Website: https://www.cash-online.de/

  • Autor: Harald Elsperger, (MBA, Dipl.-Ing.(FH)), 44, Gründer und Vorstand der xpecto AG

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Einleitung

Die Digitalisierung ist ein globales Thema und zeigt sich in den einzelnen Feldern in ganz unterschiedlicher Weise. Emittenten erzielen enorme Einsparungen durch effizientere Verwaltungsabläufe und haben sogar bei neuen Investmentvehikel die Möglichkeit, innovative Technologien, wie die Blockchain einzusetzen. Die Vermittlung wird weiter gebraucht und kann über Social Media und Newsletter einen deutlich größeren Kundenkreis ansprechen. Last but not least ist nun der Kunde wirklich König, er ist Herr seiner Daten, die Auswahl und die Transparenz der verfügbaren Produkte steigt rapide und sie stehen ihm per Mausklick sekundenschnell zur Verfügung. Er wird sich deshalb nur noch für Anbieter entscheiden, die dieses Vertrauen auch rechtfertigen.

Paradigmenwechsel und Goldgräberstimmung!

Ideale Voraussetzung für alle Partner zum engagierten Einstieg in diese Themen würde man meinen, aber nur neue Möglichkeiten alleine, machen noch keinen Markt und bringen auch keine Einsparung. Wir brauchen den Einsatz der neuen Möglichkeiten und das nicht nur am Rande oder nebenbei. Digitalisierung ist in der Mitte der Wirtschaft angekommen. Ein großes Emissionshaus hat gerade von seinen ersten Erfahrungen einer AIF-Emission über eine eigene Zeichnungsplattform berichtet: Der Durchschnittszeichner ist wider Erwarten an die 60 Jahre alt und viele Zeichnungen lagen deutlich über der Mindestzeichnung (in diesem Fall fast 30.000€!). Ich denke der Markt ist reif und viele Kunden haben nun Vertrauen entwickelt.

Emittenten

Aber der Reihe nach: Beginnen wir bei den Möglichkeiten der Digitalisierung für den Emittenten. Hier kann wirklich viel erreicht werden. Durch die Automatisierung von Abläufen die früher per Hand gemacht wurden, entsteht sofort freie Kapazität. Wenn sie unbedingt noch Papier versenden möchten oder müssen, dann nutzen sie doch Druckdienstleister die es für jeden Einsatzzweck gibt. Viele davon, wie die Deutsche Post oder BC-Direct können direkt in die Verwaltungssysteme eingebunden werden. Diese Druckoptimierung, die vermehrte Nutzung der elektronischen Zustellung bei der Jahresaussendung und die elektronische Abstimmung und Auswertung der Gesellschafterbeschlüsse ermöglichen Einsparpotenziale von über 50 %. Analysieren und automatisieren sie jeden Schritt in den Verwaltungsprozessen, sie verschaffen sich mehr Freiheit für die Behandlung von Problemfällen, sie können das Kundenpotenzial besser nutzen und das Marketing in den sozialen Netzwerken ausbauen.

Blockchain und ICO

Der aktuelle Hype um die Blockchain wird gerade für die Emittenten eine gute Möglichkeit sein, ihre Digitalisierungsstrategie umzusetzen. Es stellt sich nicht die Frage, ob diese Technologie Bestand haben wird, sondern die Frage wird sein, wer die Chancen dieser revolutionären Technologien gewinnbringend einsetzen wird. Trotz des Hypes und der entstandenen Blase werden diese Technologien Markt und Wettbewerb drastisch verändern. Die Blockchain ist eine Datenbank die Vertrauen schafft. Sie kann als revisionssicherer Mittler fungieren und das auf allen Ebenen: Als Anlegerregister, als Wertpapier, als Bank, als Vertrieb, als Zahlstelle, als Depotbank. Multifunktional, offen und schnell. Eine echte Gefahr, aber auch eine riesige Chance. Die Regulierung in diesem Bereich wird analog der bisherigen Auflagen passieren, für erfahrene Marktteilnehmer eine Riesenchance, neue Produkte und Technologien zu entwickeln. Die Emittenten erhalten eine weitere Option, ihre Marktposition zu stärken und auszubauen. Noch ein Wort zu den Begriffen: Bei den meisten ICOs "Initial Coin Offerings" handelt es sich eigentlich um einen "Tokensale" oder auf gut deutsch einen "Verkauf von Wertmarken" und das ist gut so. Ich freue mich schon auf den ersten AIF auf Basis von "Investmenttoken". (Anmerkung zum Thema in der Fußnote)

Vermittlung

Wie funktioniert die Vermittlung von Produkten im digitalen Zeitalter? Natürlich papierlos rufen jetzt alle. Auch wenn der eine oder andere Kunden noch den „goldenen Füllhalter“ als Wertschätzung seiner Investitionsentscheidung nutzt ist der digitale Trend ist nicht mehr aufzuhalten. Die Rolle des Vermittlers ist in jedem Fall weiterhin nötig, sie wird sich aber gleichzeitig stark wandeln. Der Vermittler wird zur Marketingmaschine. Sie informieren und beraten ihre Kunden über alle Kanäle. Da heißt es die Reichweite zu erhöhen und mit Streuverlusten zu leben. Vermittler die sich mit Marketingkampagnen beschäftigen (googeln Sie mal das Stichwort "marketing funnel") und bei Interesse das richtige Produkt anbieten, können sich einen guten Teil des Kuchens abschneiden. Kunden finden auch 2018 nicht alleine zu den Produkten, wir brauchen Leute die diese Mittlerrolle einnehmen und eine Entlohnung ist diesen Leuten auch zukünftig sicher. Dabei wird es unterschiedliche Ebenen geben: Der Komplettberater, der reine Vermittler oder Tippgeber (der sich zukünftig wohl eher Affiliate nennt und rein elektronisch abgewickelt wird). Die Kunden müssen dort abgeholt werden wo auch deren Interesse liegt. Facebook und seine Töchter WhatsApp und Instagram sind da sicher die zentrale Anlaufstelle.

Kunden

Der Kunde ist mittlerweile über jeden Sachverhalt auf der Welt in Sekundenschnelle informiert und trägt alle Informationen in der Hosentasche herum. Das Interesse an Finanzprodukten und an der genauen Ausgestaltung wurde aber bisher noch nicht gesteigert. Die Kunden kaufen Token die nichts wert sind und investieren in Darlehen deren Renditeversprechen jeden 12-jährigen skeptisch werden lassen. Wie schaffen wir es, dass die guten Produkte auch so wahrgenommen werden? Das ist die Aufgabe der Stunde. Emittenten, Vermittler und der übrige Rest der Verbände sollte sich nicht zu Konferenzen treffen, sondern offen in den sozialen Medien debattieren. Prospekte, Videos und Analysen helfen nur wenig, wenn diese Informationen nicht frei zugänglich sind. Suchmaschinen (und das ist der Ort wo praktisch alle Geschäfte ihren Anfang nehmen) lieben Inhalte. Gerade längere Texte mit genauen Angaben werden belohnt. Aber meist werden diese Inhalte hinter Logins versteckt. Da haben es schlechte Facebook-Posts und Negativmeldungen leicht und stehen im Suchergebnis vor dem eigentlichen Produkt. Der Grund ist klar: Dort wird umfangreich beschrieben und erläutert und diese Einträge bekommen sie auch nicht mehr weg. 

Fazit

Emittenten, Vermittler und Kunden können von der Digitalisierung profitieren. Es gibt bessere Produkte, schlankere Verwaltungen, günstigere Konditionen und mehr Reichweite. Allerdings müssen Sie aktiv werden, suchen Sie sich Leute mit Onlineerfahrung und starten sie Testballons. Der Vorteil der Digitalisierung liegt ganz klar in der Schnelligkeit und den geringen Kosten. Sie können eine Facebook-Kampagne mit wenigen Klicks einfach selber erstellen und Ihre Website besteht nur zum Teil aus Design. Von Google gefunden wird der Inhalt und den können Sie sofort ohne Spezialisten verbessern. Das kostet lediglich etwas Arbeitszeit.

Der Weg der Digitalisierung ist keine Revolution. Begreifen Sie es als Weiterentwicklung Ihrer bestehenden Geschäftstätigkeit und gehen Sie Schritt für Schritt vor. Wir als Anbieter von Software für den ganzen Lebenszyklus von Beteiligungen entwickeln unsere Software auch nicht im stillen Kämmerlein. Wir stellen uns unseren Kunden und versuchen jeden Monat neue Kundenanforderungen in unsere Produkte zu integrieren. Kontinuierliche Verbesserung ist die eigentliche Herausforderung und das ist wirkungsvoller als jede Revolution.

Fußnote: Blockchain

Ein ICO wäre die Erstellung einer eigenen, neuen Blockchain. Das ist meist nicht nötig und erzeugt auch nur unnötige Kosten und Verantwortung. Die meisten „ICOs“ finden daher auf einer bestehenden Blockchain (meist auf Ethereum) statt und damit ist der Begriff falsch verwendet. Der treffendere Begriff „Tokensale“ oder der „Verkauf von Wertmarken“ ist eine digitale Zuteilung von Anteilsscheinen/Marken. Die Gelder fließen im Normalfall traditionell per Überweisung. Eine genauere Analyse würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Gerne erläutere ich die Möglichkeiten hierzu in einem Gespräch.

Harald Elsperger, (MBA, Dipl.-Ing.(FH)), 44, Gründer und Vorstand der xpecto AG